„Das 1,5-Grad-Ziel (Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5°C im Vergleich zur Zeit vor der industriellen Revolution) ist bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr erreichbar.“
Einleitung
Am 12.12.2015 wurde auf der Weltklimakonferenz ein Klimaabkommen beschlossen, in welchem 195 Staaten sich bereit erklärten, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur bis in das Jahr 2100 auf 1,5 °C im Vergleich zu Zeiten vor der industriellen Revolution zu begrenzen und dafür notwendige Schritte einzuleiten. Diese bestehen hauptsächlich aus der Senkung von Treibhausgas-Emissionen.[1]
Aktueller Stand
Die durchschnittliche Temperatur an der Erdoberfläche in den Jahren 2010-2019 war um 1,1 °C höher als in den Jahren 1850-1900, wobei der genaue Anstieg zwischen 0,8 °C und 1,3 °C liegt. Den größten Beitrag dazu liefern vom Menschen ausgestoßene Treibhausgase.[2]
Im Jahr 2024 wurden 53,2 Gigatonnen (Gt.) CO2 Äquivalente in die Atmosphäre ausgestoßen, wobei die USA allein 11,11 % ausmacht, Deutschlands Beitrag liegt bei 1,27 % . Der globale Ausstoß ist im Vergleich zum vergangenen Jahr um 1 % und im Vergleich zu 2005 um 30 % gestiegen. Seit über 20 Jahren nahm, mit Ausnahme von 2020 und 2009, der Ausstoß an Treibhausgasen stetig zu.[3]
Ausblick
Im Jahr 2024 wurde die 1,5°C-Grenze erstmalig überschritten. Es ist wahrscheinlich, dass in den nächsten 20 Jahren die Durchschnittstemperatur diese Grenze ebenfalls überschreiten wird, soweit keine drastischen Änderungen der Klimaschutzmaßnahmen vorgenommen werden.[4] Somit wäre das Ziel bereits vor 2050 verfehlt.
Für den Ausblick hat beispielsweise die International Energy Agency (IEA) verschiedene Szenarien definiert. Das Stated Policy Scenario (STEPS) beschreibt den bisherigen Kurs, welcher sich durch die derzeitigen politischen Maßnahmen und Rahmenbedingungen ergibt. Das Announced Pledges Scenario (APS) geht davon aus, dass alle von den Regierungen bereits angekündigten Maßnahmen im vollen Umfang und rechtzeitig umgesetzt werden. Das Szenario der Net Zero Emissions (NZE) definiert eine Entwicklung, bei der die globalen Netto-Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 auf Null reduziert werden. Alle zu diesem Zeitpunkt noch emittierten Treibhausgase müssten durch Maßnahmen wie Carbon Capture oder ähnlichen Entnahmetechnologien ausgeglichen werden. Ein Szenario ohne jegliche Klimaschutzmaßnahmen wird Pre-Paris genannt. Sollte dieses Szenario eintreten, würden im Jahr 2050 über 50 Gt. CO2 ausgestoßen und im Jahr 2100 würde die Durchschnittstemperatur um 3,5 °C ansteigen. Beim STEPS-Szenario würde die Temperatur um 2,5 °C ansteigen, im APS-Szenario beträgt die Temperaturzunahme 1,7 °C und im NZE-Szenario würde die Durchschnittstemperatur um 1,4 °C zulegen. Somit ist das 1,5 °C Ziel nur möglich, wenn die mit dem NZE-Szenario verbundenen Maßnahmen eingehalten werden, die noch über die bisher angekündigten Maßnahmen der weltweiten Regierungen zur Treibhausgasemissionen hinausgehen.[2]
Zu den notwendigen Schritten für die Einhaltung des NZE-Szenarios zählen ein drastisch schnellerer Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe sowie ein verstärkter Ausbau der Wind- und Solarenergie. 2050 müssten 70% des produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen, die Nutzung von Kohle müsste um 90% sinken.[6] Ebenso ist eine jährliche Steigerungsrate der globalen Energieeffizienz von 4% bis 2030 notwendig. Neufahrzeuge mit Verbrennermotor dürften ab 2035 nicht mehr zugelassen werden. Weiterhin wäre der Erhalt bestehender und die Schaffung neuer CO2-mindernder Naturgebiete wie Wälder und Moore notwendig, um CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen.[5]
Im Januar 2025 haben die USA ihren Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen erklärt. Damit wird das Erreichen des 1,5 °C Ziels politisch nicht mehr unterstützt. Insgesamt haben im Jahr 2025 nur 60 Vertragsparteien des Pariser Klimaabkommens neue Klimaschutzziele für das Jahr 2035 vorgelegt oder angekündigt (Stand 30.09.2025).[6]
Viele Staaten, unter anderem Deutschland, haben die Netto-Null-Ziele gesetzlich festgelegt, wobei die aktuellen vorgestellten und umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen diese Ziele verfehlen würden.[7]
Fazit
Für die Einhaltung des 1,5 °C-Zieles fehlt aktuell weltweit der politische Wille und die bisher eingeleiteten Klimaschutzmaßnahmen sind nicht ausreichend. Notwendig wäre ein deutlich schnellerer Wandel im Energie- und Verkehrssektor sowie eine stetige Effizienzsteigerung der bisherigen Technologien. Der Austritt von Staaten wie den USA aus dem Klimaabkommen und die beobachtete zunehmende Depriorisierung von Klimaschutzmaßnahmen in vielen Regierungsprogrammen behindert diesen Wandel erheblich. Somit ist das Erreichen dieses Zieles immer noch nicht unmöglich, jedoch derzeit unwahrscheinlich.
Quellen:
[1] „BMZ,“ 2025. [Online]. Available: https://www.bmz.de/de/service/lexikon/klimaabkommen-von-paris-14602. [Zugriff am 30 12 2025].
[2] „ipcc,“ 2023. [Online]. Available: https://www.ipcc.ch/report/ar6/syr/downloads/report/IPCC_AR6_SYR_FullVolume.pdf. [Zugriff am 30 12 2025].
[3] „European Comission,“ 2025. [Online]. Available: https://edgar.jrc.ec.europa.eu/report_2025. [Zugriff am 30 12 2025].
[4] C.-F. S. &. J. Z. Emanuele Bevacqua, nature climate change, Bd. 15, p. 4, 2025.
[5] „Netto – Null,“ 2025. [Online]. Available: https://www.netto-null.org/. [Zugriff am 30 12 2025].
[6] „UN Environment programme,“ 2025. [Online]. Available: https://www.unep.org/resources/emissions-gap-report-2025. [Zugriff am 30 12 2025].
[7] „Umweltbundesamt,“ 2025. [Online]. Available: https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgasminderungsziele-deutschlands#projektionsdaten-2025. [Zugriff am 01 01 2026].