„Durch den hohen Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix ist unser Stromnetz so instabil wie nie zuvor; es drohen flächendeckende Blackouts.“
Autor: Abdullah Laue
Immer wieder wird behauptet, der steigende Anteil von erneuerbaren Energien, insbesondere durch Wind- und Solarenergie, mache das deutsche Stromnetz instabil. Die Folge seien drohende Blackouts. Verfügbare Daten sprechen gegen diese pauschale Aussage.
Was ist überhaupt ein „Blackout“?
Oft wird „Blackout“ als Synonym für jeden Stromausfall benutzt. Fachlich ist das enger definiert: Die Bundesnetzagentur beschreibt einen Blackout als unkontrollierten, unvorhergesehenen großräumigen Ausfall, der mindestens größere Teile des europäischen Verbundnetzes betrifft – und betont, so ein Ereignis sei äußerst unwahrscheinlich.[1]
Wie stabil ist das Stromnetz?
Ein sehr praxisnaher Stabilitätsindikator ist, wie oft und wie lange Kundinnen und Kunden tatsächlich ohne Strom sind. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht dazu jährlich den SAIDI-Wert (durchschnittliche Nichtverfügbarkeit je Letztverbraucher). Für 2023 lag dieser Wert bei 12,8 Minuten.[2] Für 2024 sank er auf 11,7 Minuten; die Bundesnetzagentur ordnet das deutsche Netz weiterhin als eines der zuverlässigsten im europäischen Vergleich ein.[3]

Abbildung 1: SAIDI in Deutschland 2006–2024 (Minuten Ausfall pro Jahr je Letztverbraucher).[4]
Die Zeitreihe zeigt: Die durchschnittlichen Ausfallminuten sind über die letzten Jahre insgesamt niedrig und langfristig eher rückläufig. Während vor 20 Jahren erneuerbare Energien noch einen sehr geringen Anteil am deutschen Strommix ausgemacht haben, lag der Anteil im Jahr 2024 am Bruttostromverbrauch bereits bei 54,1%.[5] Trotz dieser starken Erhöhung hat sich der SAIDI weiterhin reduziert. Auch wenn der SAIDI nicht der einzige Indikator für Netzstabilität und Blackout-Risiken ist, spricht das dennoch gegen die Aussage, das Netz sei „so instabil wie nie zuvor“.
Sind erneuerbare Energien ein Risiko für die Versorgung?
Wind- und Solarstrom schwanken wetterbedingt – das ist unstrittig. Entscheidend ist aber nicht, dass die Einspeisung schwankt, sondern ob das Stromsystem diese Schwankungen ausgleichen kann.
Fachinstitutionen beschreiben die Energiewende deshalb weniger als „Risiko“, sondern als Systemumbau: Damit ein Stromsystem mit hohem Anteil erneuerbarer Energien zuverlässig funktioniert, braucht es zusätzliche Bausteine wie flexiblen Verbrauch (Lastmanagement), Speicher (z. B. Batterien), flexible Erzeugung für Spitzenzeiten sowie Netzausbau und moderne Netzleittechnik. Diese Elemente sorgen dafür, dass kurzfristige Schwankungen ausgeglichen werden können und die Stabilität nicht allein von einzelnen Kraftwerken abhängt.[6]
Woher kommt dann die Angst vor Blackouts?
Großflächige Stromausfälle entstehen nicht durch erneuerbare Energien, sondern häufig durch seltene Sonderereignisse wie extreme Wetterlagen, technische Defekte oder Cyberangriffe.[7]
Damit ist diese Behauptung irreführend, denn erneuerbare Energien bedeuten nicht automatisch ein erhöhtes Blackout-Risiko; die Versorgungsunterbrechungen sind weiterhin niedrig und zuletzt gesunken, entscheidend sind der damit verbundene Netzausbau und die Systemflexibilität.[6]
Quellen:
[1] Bundesnetzagentur – Insight Blog – Droht der Blackout? https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Allgemeines/DieBundesnetzagentur/Insight/Texte/Energiewende/Blog17_Energiewende_Blackout.html. Abrufdatum: 22.12.2025
[2] Bundesnetzagentur – Presse – Versorgungsunterbrechungen Strom 2023. https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/20241111_SAIDI_Strom.html. Abrufdatum: 22.12.2025
[3] Bundesnetzagentur – Presse – Versorgungsunterbrechungen Strom in 2024 gegenüber Vorjahr gesunken – Deutsches Stromnetz eines der zuverlässigsten im europäischen Vergleich. https://www.bundesnetzagentur.de/1075952. Abrufdatum: 22.12.2025
[4] Bundesnetzagentur, Bundesweite Kennzahlenentwicklung Strom (Stand: 09.10.2025). https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/Versorgungsunterbrechungen/Auswertung_Strom/Kennzahlentwicklung2006_2024.pdf?__blob=publicationFile&v=6. Abrufdatum: 22.12.2025
[5] Umweltbundesamt (UBA): Erneuerbare Energien am Bruttostromverbrauch https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/de_indikator_ener-04b_ee-brstrv_2025-12-18.pdf. Abrufdatum: 22.12.2025
[6] Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland – Fraunhofer ISE. https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.html. Abrufdatum: 22.12.2025
[7] Stromausfall – eine Risikoanalyse | Bundesregierung. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/stromausfall-blackout-2129818. Abrufdatum: 22.12.2025