„Der CO2-Anteil in der Atmosphäre ist viel zu niedrig, um einen Einfluss auf das Klima zu haben.“
Autor: Kai Jonas
Antwort
Diese Aussage ist falsch, obwohl sie auf den ersten Blick plausibel klingen mag. Ausschlaggebend ist nicht der prozentuale Anteil an Kohlendioxid (CO2), sondern die physikalische Eigenschaft von CO2, Wärmestrahlung zu absorbieren.
CO2 ist mengenmäßig tatsächlich nur geringfügig mit 426,46 ppm als Spurengas in der Atmosphäre vorhanden.[1] Sein Einfluss als Treibhausgas ist aber sehr groß. Treibhausgase wie CO2 sammeln sich in der Atmosphäre. Sie lassen kurzwellige Sonnenstrahlung in Richtung Erde passieren. Die von der Erde abgegebene langwellige Infrarot-Wärmestrahlung, die in den Weltraum abgestrahlt wird, wird von Treibhausgasen aber teilweise absorbiert und zur Erde zurück abgestrahlt. Durch erhöhte Treibhausgaskonzentration wird die Retention an Wärmestrahlung erhöht. Der Treibhauseffekt macht Leben auf der Erde überhaupt erst möglich. Ohne Treibhauseffekte würde die durchschnittliche Temperatur auf der Erde -18 °C betragen.[2]
Für den Klimaeinfluss eines Gases gilt also grundsätzlich erst die Bedingung, dass das Gas im Infrarotbereich absorbiert. Der Absorptionsbereich ist unabhängig von der Menge des Gases. Der Großteil von Atmosphärengasen (u.a. Stickstoff, Sauerstoff) trägt nicht zum Treibhauseffekt bei, da diese Moleküle nicht infrarotaktiv sind und deshalb Infrarotstrahlung nahezu nicht absorbieren. Ist ein Gas ein Treibhausgas, das heißt es absorbiert im Infrarotbereich, dann ist sowohl die Konzentration in der Atmosphäre wichtig als auch in welchem Bereich des elektromagnetischen Spektrums es genau Infrarotstrahlung absorbiert. Wasserdampf ist ebenfalls ein Treibhausgas und liegt in deutlich höherer Konzentration als CO2 in der Atmosphäre vor. Die hohe Konzentration führt zu einer nahezu vollständigen Absorption („Sättigung“) der Infrarotstrahlung in den spektralen Bereichen, in denen Wasserdampf absorbiert. Die typischen Schwankungen der Wasserkonzentration in der Atmosphäre haben daher nahezu keinen Effekt mehr auf die Absorption des Sonnenlichts. CO2 absorbiert ziemlich genau in den spektralen Bereichen Infrarotstrahlung, in denen Wasserdampf nicht absorbiert. Daher führt bereits eine kleine Änderung der Menge an CO2 in der Atmosphäre zu einer großen Änderung der Absorption von Infrarotstrahlung und schließlich zu einem großen relativen Einfluss auf die Erdtemperatur.
Ein weiterer Faktor ist die Stabilität des Gases in der Atmosphäre. Je stabiler es ist, desto länger dauert es, bis es wieder aus der Atmosphäre verschwindet und desto länger kann es als Treibhausgas wirken. CO2 ist ein sehr stabiles und langzeitbeständiges Gas. Unter den Treibhausgasen hatte im Jahr 2023 daher CO2 mit 66% den größten Betrag zum anthropogenen Treibhauseffekt, obwohl es nur ca. 0,04% der Atmosphäre ausmacht.[3, 4]
Historische Daten über in Eisbohrkernen eingeschlossene Luftblasen zeigen, dass der momentane Anstieg an Treibhausgasen in der Atmosphäre in den letzten 800.000 Jahren einzigartig ist.[5] Ein Anstieg von 280 ppm CO2 in vorindustrieller Zeit zu 426 ppm in 2025 entspricht einer Zunahme von beinahe 50%.[1,3] Dies ist ein in dieser kurzen Zeitspanne bisher nicht beobachteter Anstieg, der sich deutlich von den natürlichen Schwankungen unterscheidet. Dieser Anstieg an Treibhausgasen führt zu einer Verschiebung des sogenannten Strahlungsgleichgewichts zwischen der von der Sonne eingestrahlten Strahlungsintensität und der von der Erde abgestrahlten Strahlungsintensität. Es verbleibt mehr Energie auf der Erde und sie erwärmt sich. Der Weltklimarat (IPCC) hat 2021 festgestellt, dass der Einfluss des Menschen auf die Erwärmung der Atmosphäre, Ozeane und Landflächen eindeutig ist.[5] Der Bericht des IPCC gilt als zusammenfassender Stand der Wissenschaft mit breiter internationaler Autorenschaft.
Daher muss die Aussage „Der CO2-Anteil in der Atmosphäre ist viel zu niedrig, um einen Einfluss auf das Klima zu haben“ als eindeutig falsch bewertet werden.
Quellen:
[1] https://gml.noaa.gov/ccgg/trends/mlo.html [abgerufen am 02.01.2026]
[2] Schönwiese, C.-D., Klimaänderungen. Berlin/Heidelberg, 1995, 224 S.
[3] Umweltbundesamt, Atmosphärische Treibhausgas-Konzentrationen, 2025
[4] NOAA Global Monitoring Laboratory, the NOAA annual greenhouse gas index (AGGI), 2024
[5] Intergovernmental panel on climate change (IPCC), Sixth Assessment Report / Working Group 1 – The physical science basis, 2021