2025-02

„Atomkraftwerke erzeugen den günstigsten Strom.“

Autor: Steffen Kupfer

Die Frage, ob Atomstrom der günstigste Strom ist, ist komplex und bedarf eine genauere Betrachtung. Es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile, die durch verschiedene Faktoren wie zum Beispiel den Bau- und Betriebskosten beeinflusst werden. Im Folgenden wird anhand dieser Faktoren eingeschätzt, ob die oben genannte These der Wahrheit entspricht.

Interne Kosten

Interne Kosten bezeichnen allgemein die Ausgaben, die ein Unternehmen im Zusammenhang mit einem bestimmten Projekt entstehen. Am Beispiel der Atomkraftwerke wären da Bau- und bzw. Betriebskosten, die anfallen. Im Gegensatz zu den hohen Baukosten sind die Kosten für den Brennstoff Uran erstmal niedrig und stabil im Vergleich zu anderen Technologien. Atomkraftwerke unterliegen im Gegensatz zu anderen Anlagen strengen Sicherheitsvorgaben, die durch jährliche Sicherheitsüberprüfungen, Modernisierungen und Instandhaltungsmaßnahmen die Wartungskosten erheblich erhöhen. Zusätzlich müssen Mitarbeiter, die für den Betrieb nötig sind, bezahlt werden. Die Stromgestehungskosten (Kosten, die durch den Bau und den jährlichen Betrieb anfallen) vom Strom aus Kernenergie beliefen sich laut einer Studie des Fraunhofer-Institutes auf 13,6 Ct/kWh bis 49,0 Ct/kWh.[1, 2] Zum Vergleich werden in Tabelle 1 weitere Stromgestehungskosten anderer Technologien aufgeführt.

Externe Kosten

Aufgrund der externen Kosten, die durch ein Atomkraftwerk entstehen und nicht vom Unternehmen getragen werden, ist eine Kostenanalyse von Strom aus Kernenergie jedoch problematisch. Diese entstehen im Energiesektor vor allem durch die Umweltschäden aufgrund des hohen Ausstoßes an Schadstoffen.[2] Im Falle der Atomkraftwerke werden häufig nur Schätzungen angegeben, was den Wert der externen Kosten angeht. Derzeitige Schätzungen belaufen sich durch das Risiko eines nuklearen Unfalls von 0,1 Ct/kWh bis zur 320 Ct/kWh.[2] Die Bestimmung eines methodisch fundierte Wertes ist laut mehrerer Autoren nicht möglich, jedoch kann durch realistische Betrachtung von Experten eine kleinere Bandbreite von 20,8 Ct/kWh bis zu 34,3 Ct/kWh angegeben werden.[2, 3] Diese Kosten sind nicht im Strompreis eingerechnet, weshalb sie auch als „versteckte Kosten“ der Atomenergie betitelt werden.[2]

Staatliche Förderungen

Zusätzlich zu den nicht einberechneten versteckten externen Kosten sind Atomkraftwerke staatlich gefördert. Dabei handelt es sich um verschiedene Finanzhilfen und Steuervergünstigungen bzw. Vorteile aus Emissionshandel und Rückstellungen.[3] Die Kosten betrugen von 1955 bis zur Abschaltung aller Atomkraftwerke in Deutschland im Jahr 2022 ca. 287,2 Mrd. €, was eine Vergünstigung von ca. 4,6 Ct/kWh über den genannten Zeitraum ausmachte.[2, 3]

Fazit

Der Strom aus Kernenergie mag anfangs den Anschein erwecken, eine billige Alternative darzustellen, beinhaltet allerdings versteckte Kosten, die der Verbraucher auf Anhieb nicht erfassen kann. Wie hier aufgezeigt, können die Kosten für Atomstrom sehr variieren und durch Unfälle auch noch eine enorme Gefahr für Mensch und Natur darstellen. Berücksichtigt man also die Risiken und alle Kosten, die nicht allein für den Verbraucher anfallen, sind Atomkraftwerke keinesfalls preiswerter als andere Methoden der Stromerzeugung.

Quellen:

[1] Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE: Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien, veröffentlicht Juli 2024, Abgerufen am 04.11.2024, Verfügbar unter: https://www.ise.fraunhofer.de.

[2] Schrems, I., und Fiedler S.: Gesellschaftliche Kosten der Atomenergie in Deutschland – Eine Zwischenbilanz der staatlichen Förderungen und gesamtgesellschaftlichen Kosten von Atomenergie seit 1955, Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e. V., 2020.

[3] Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Strom aus Kernenergie: Kosten und Subventionen, WD 5 – 3000 – 090/21, Veröffentlicht Dezember 2021, Abgerufen am 10.10.2024, Verfügbar unter: https://www.bundestag.de/resource/blob/877586/4e4dce913c3883a81adcf2697313c7d/WD-5-090-21-pdf-data.pdf