2025-10

„Decken die Erneuerbaren Energien bereits jetzt die Stromproduktion in Deutschland?“

An vielen Tagen im Jahr erzeugen die Erneuerbaren in Deutschland schon jetzt mehr Strom als die Fossilen; Kohle, Öl und Gas werden nur noch wegen der Lobby und Profitgier der konventionellen großen Energiekonzerne genutzt?

Der Anteil der erneuerbaren Energien am erzeugten Strom betrug im Jahr 2020 insgesamt 45,3 % und sank im Jahr 2021 auf 41%. Dies entsprach 233,9 Mrd. kWh Strom. Dieser Rückgang ist auf ungünstige Wetterbedingungen im Jahr 2021 zurückzuführen. (Umwelt Bundesamt, 2022). An einem Großteil der Tage im Jahr ist der Anteil erneuerbarer Energien am Strom vergleichbar mit dem fossilen Anteil. Es gibt Tage mit deutlichem Überschuss an erneuerbarer Erzeugung, die sich besonders in den windreichen Monaten November bis März finden. In diesen sonnenarmen Monaten ist aber der Beitrag der Photovoltaik meist vernachlässigbar. In den sonnenstarken, eher windarmen Sommermonaten überwiegt an vielen Tagen die fossile Stromerzeugung. (AGORA Energiewende, 2022) (Deutscher Wetterdienst, 2022).
Somit stimmt die Aussage dahingehend, dass es Tage gibt, an denen die erneuerbaren Energien mehr Energie erzeugen als die fossilen, sie decken jedoch auch an diesen Tagen den Verbrauch oft nicht vollständig. Es werden daher in jedem Fall fossile Technologien benötigt, um den Bedarf zu decken. (AGORA Energiewende, 2022)

Zudem muss berücksichtigt werden, dass der Photovoltaikanteil nur tageszeitabhängig zur Verfügung steht. So kann es tagsüber sein, dass Stromüberschuss besteht und Energie exportiert wird, aufgrund fehlender Speicherkapazität und Speichertechnologie nachts Strom importiert werden muss. Für eine dauerhaft sichergestellte Deckung des Stromverbrauchs mit regenerativen Energien muss neben dem Ausbau dieser auch in noch größerem Maße der Anteil an Speicherkapazität ausgebaut werden. (Energien-Statistik, 2022)

Der zweite Teil der Aussage ist auch nicht haltbar. Einerseits ist die fossile Stromerzeugung noch für die Abdeckung des Strombedarfs notwendig. Andererseits ist der Vorteil der fossilen, dass sie kontinuierlich über Verbrennung Wärme und damit über einen Kraftwerksprozess Strom erzeugen auch ein Nachteil. Während Gaskraftwerke aus dem kalten Stillstand gestartet werden können und bei Engpässen in der Stromversorgung zugeschaltet werden können, benötigen Kohle- und Ölkraftwerke mehrere Tage zum Aufheizen und Abkühlen der Verbrennungsöfen. Damit sind sie nicht in der Lage die schnellen Schwankungen der erneuerbaren Stromerzeuger aufzufangen und müssen trotz Überproduktion weiterlaufen. Die entsprechenden Überschüsse müssen zu sehr niedrigen Strompreisen in Nachbarländer verkauft werden. (Umwelt Bundesamt, 2022) Lediglich ein Ausbau von Gaskraftwerken kann als Übergangstechnologie die Schwankungen der erneuerbaren Stromerzeugung auffangen.

Quellen:

AGORA Energiewende. (2022, 12 21). Agorameter. Retrieved from https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/21.01.2021/21.12.2021/today/

Deutscher Wetterdienst. (2022, 12 21). Deutscher Klimaatlas. Retrieved from https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaatlas/klimaatlas_node.html

Energien-Statistik, A. E. (2022). Monatsbericht-PLUS Quartalsbericht 4. 2022. Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt.

Umweltbundesamt. (2022, 12 21). Erneuerbare Energien in Zahlen. Retrieved from https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/erneuerbare-energien-in-zahlen#uberblick

Umweltbundesamt. (2022, 12 21). Erneuerbare und konventionelle Stromerzeugung. Retrieved from https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/erneuerbare-konventionelle-stromerzeugung#zeitliche-entwicklung-der-bruttostromerzeugung