„Erneuerbare Energieträger produzieren den kostengünstigsten Strom. Wind und Sonne stellen keine Rechnung.“
Autor: Zacharias Raum
Die Behauptung, dass erneuerbare Energien den kostengünstigsten Strom liefern, beruht auf der Annahme, dass diese natürlichen Ressourcen kostenlos zur Verfügung stehen. Doch um ein vollständiges Bild der Kosten zu erhalten, müssen weitere Faktoren berücksichtigt werden. So spielen neben den Kosten für den Energieträger sowohl die Baukosten als auch die laufenden Kosten der Anlage eine Rolle. Für eine bessere Vergleichbarkeit der einzelnen Stromerzeugungsarten werden die Stromgestehungskosten ermittelt. Diese beinhalten sowohl die Betriebs- und Einrichtungskosten als auch die Lebensdauer der Anlagen und bieten somit die Grundlage zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit.[1, S. 7-8]
Vergleicht man herkömmliche Energieträger wie Kohle und Atomkraft mit erneuerbaren Quellen wie Wind und Sonne, so fällt auf, dass erneuerbare Energien günstiger sind. Die Stromgestehungskosten liegen bei 3,2 €Cent/kWh[2]1 bei Windkraftanlagen am Festland, 4,2 €Cent/kWh[2]1 bei Photovoltaikanlagen, während die Kosten bei Kohle 15 €Cent/kWh[3] übersteigen. Auch andere fossile Energien, wie die Atomkraft, weisen hohe Kosten von 13-49 €Cent/kWh auf.[3]
Vergleicht man Photovoltaikanlagen aus dem Jahr 2010 mit Anlagen aus 2023, so haben sich die Stromgestehungskosten je nach Land um bis zu 93% reduziert.[2] Dieser Trend ist auch bei Windkraftanlagen auf dem Festland mit 70% und Off-Shore Windkraftanlagen mit 63% geringeren Kosten festzustellen.[2] Auch ein Blick in die Zukunft ins Jahr 2045 prognostiziert eine weitere Kostensenkung.[3]
Betrachtet man weitere Faktoren, die nicht durch die Stromgestehungskosten abgedeckt sind, so bringt jede Energiegewinnungsart ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Ein großer Aspekt bei den erneuerbaren Energien ist die Fluktuation in der Produktion. So sind nicht zu jeder Zeit Wind und Sonne gewährleistet, während zu anderer Zeit ein Überangebot von Strom zur Verfügung steht. Um Spitzen abzufangen und Flauten auszugleichen, sind Speichermedien notwendig. Hier kommen Batterien in Frage, welche auch in den letzten Jahren massiv günstiger geworden sind. So sind die Baukosten von Batteriespeichern aufgrund verbesserter Herstellungsprozesse und effizienterer Materialnutzung zwischen 2010 und 2023 von 2410 €/kWh auf 262 €/kWh gesunken.[2]1
Ebenso gibt es bei konventionellen Kraftwerken Herausforderungen, die nicht unerheblich sind. Beispielsweise der radioaktive Müll aus Kernkraftwerken und dessen Entsorgung bzw. Lagerung ist ein immerwährendes Problem. Auch CO2-Emmisonen aus Kohlekraftwerken, die durch immer teurer werdende CO2 Zertifikate besteuert werden müssen, treiben die Stromgestehungskosten für fossile Stromerzeugung zukünftig in die Höhe.[3]
Bezieht man alle Faktoren mit ein so steht fest, dass erneuerbare Energien den günstigsten Strom produzieren. Der Preisunterschied wird sich in Zukunft sogar noch verstärken, wodurch erneuerbare Energie noch attraktiver werden. Faktoren wie steigende Kosten für CO2-Zertifikate und sinkende Kosten in der Produktion von erneuerbaren Energien sind ein vielversprechender Ausblick. Wind und Sonne stellen vielleicht keine Rechnung – doch ihre Potenziale sind unbezahlbar.
1 Zur besseren Vergleichbarkeit umgerechnet mit dem Wechselkurs 0,96 €/USD vom 22.01.2024.
Quellen:
[1] M. Ram, M. Child, A. Aghahosseini, D. Bogdanov, A. Lohrmann, and C. Breyer, „A comparative analysis of electricity generation costs from renewable, fossil fuel and nuclear sources in G20 countries for the period 2015-2030“, Lappeenranta University of Technology, Lappeenranta, Finland, 2018.
[2] International Renewable Energy Agency (IRENA), Renewable Power Generation Costs in 2023. Abu Dhabi: IRENA, 2024.
[3] C. Kost, P. Müller, J. Sepulveda Schweiger, V. Fluri, and J. Thomsen, Levelized Cost of Electricity Renewable Energy Technologies. Freiburg, Germany: Fraunhofer Institute for Solar Energy Systems ISE, 2024.